Um unsere Annahmen zum Thema Zölle zu überprüfen, sprachen wir mit Ulf Meyer, einem Vorstandsmitglied von Big Dutchman. Das Unternehmen produziert und vertreibt Stalleinrichtungen und die dazu zugehörige Technik wie etwa Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme. Der Hauptsitz ist in Vechta, aber es gibt zahlreiche Standorte in aller Welt.

Ulf Meyer ist als CDO (Chief Development Officer) für Investmentgesellschaften, digitale Lösungen und Innovationen verantwortlich. Er ist somit zwar nicht direkt mit dem Export befasst, aber er konnte uns trotzdem das Thema ausführlich erklären. Vor seinem jetzigen Posten war er lange Jahre als Verkäufer im Ausland tätig und konnte so reichlich Erfahrungen mit Preisen und Zöllen sammeln.

Ulf Meyer war uns direkt sympathisch und konnte uns viel über das Thema erzählen.

Hugo und Rasmus: Die Zölle, der Welthandel und die Handelsbeschränkungen sind Begriffe, die man häufig hört und auch in den Nachrichten liest. Was steckt genau dahinter und welche Auswirkungen hat das für Sie und Big Dutchman?

Ulf Meyer: Im Prinzip kann man das mit einer Fußballmannschaft vergleichen. Da ist ja auch nicht jeder Stürmer oder Verteidiger, man hat sich so ein bisschen aufgeteilt und genauso ist das eben auch im Welthandel. Es gibt bestimmte Regionen oder Länder, die einige Dinge besonders gut können und dadurch, dass man sich ergänzt, schafft man es, noch bessere, günstigere und hochwertigere Produkte zu produzieren. Wenn dann jemand den Handel einschränkt, dann beschränkt man auch automatisch die Leistungsfähigkeit.
Zölle werden dann häufig eingeführt, wenn einige Länder glauben, dass sie einen Vorteil dadurch hätten oder weil sie vielleicht gemerkt haben, dass sie in einem Bereich nicht so gut sind und deswegen viel aus dem Ausland kommt. Wenn man das dann merkt, erhöht man halt entsprechend die Zölle auf diese Waren, um die vermeintlichen Nachteile auszugleichen. Um zum Ausgangsbeispiel Fußball zurückzukommen: Wenn man einen schlechten Stürmer hat, kann man ja auch nicht verlangen, dass der Gegner deswegen nur mit einem schlechten Verteidiger spielen darf. Dadurch würde die Mannschaft ja schließlich nicht besser, sondern das Spiel insgesamt einfach nur schlechter.

H&R: Das ist ein sehr schöner Vergleich! Da Sie die größte Frage grundlegend beantwortet haben, interessiert uns erstmal, was genau Big Dutchman macht und in welchem Umfang Exporte bei Ihnen eine Rolle spielen?

UM: Also Big [Abkürzung für Big Dutchman, Anm. der Redaktion] stellt Anlagen für die Tierhaltung her. Das sind Anlagen, die gebraucht werden, um die hochwertigen Lebensmittel in den verschiedenen Ländern herzustellen. Big macht das für die Bereiche Eiproduktion, Geflügelfleischproduktion und Schweineproduktion und bedient da sowohl den Biobereich in Deutschland, als auch die intensiveren Haltungsformen im Ausland. Wir machen ca. 95 Prozent unseres Umsatzes im Ausland, also würden wir nur noch 5 Prozent des gesamten Umsatzes der Gruppe machen, wenn wir keinen Außenhandel mehr machen könnten. Wir müssten dann einen Großteil des Geschäftsbetriebs einstellen und müssten uns nur noch um einen sehr kleinen Teil kümmern. Daran sieht man dann mal, wie wichtig der Welthandel für so eine Firma wie Big Dutchman ist.

H&R: Okay, daraus kann man dann ja schon die entsprechenden Schlüsse zu den Vorteilen des internationalen Handels für Big (zum Artikel Big Dutchman — Warum Welthandel?) ziehen?

UM: Genau, für uns ist der Markt nicht nur Deutschland, das wäre ein Markt von 85 Millionen Menschen. Für uns ist die Welt der Markt, der dann 8,5 Milliarden Menschen hat – was ja signifikant mehr ist. Und da wir uns nicht nur um Deutschland kümmern, können wir auch noch zukunftsorientiert wachsen. Denn in Deutschland ist der Markt schon relativ gesättigt. Die Menschen haben ein Konsumlevel erreicht, das sich, wenn überhaupt, nur noch in Nuancen verändert, aber im Wesentlichen fest ist. Wenn man den Umsatz steigern möchte und noch wachsen will, dann kann man das nur noch in den Märkten machen, die wachsen und das ist für uns eben der Rest der Welt.
Aber es geht bei Big ja nicht nur um den Verkauf. Wir müssen auch Rohstoffe und Teile einkaufen. Da passt wieder das Beispiel der Fußballmannschaft: Bei einigen Dingen sind wir eben gut in Deutschland. Bei anderen Dingensind die Lieferanten und Produzenten im Ausland eben besser.

H&R: Haben denn die Endverbraucher auch einen Vorteil vom internationalen Handel? Denn Big liefert ja vor allem an die Weiterproduzierenden, die als Landwirte letztendlich die Supermärkte beliefern.

UM: Ja, wie eben schon gesagt: Wir können einige Sachen nicht so gut oder günstig hier in Deutschland produzieren, zum Beispiel kommt ein sehr hochwertiger Stahl aus Asien. Das merken die Endkunden zwar nicht direkt. Aber wenn unsere Anlagen möglichst günstig und nachhaltig sind, dann kann der Landwirt auch günstiger produzieren und das Endprodukt, zum Beispiel das Schnitzel, ist im Supermarkt auch günstiger.

H&R: Also hat der Endverbraucher durch den internationalen Handel durchaus einen Vorteil?

UM: Genau, die Preise sind dadurch möglicherweise niedriger und die Produkte nachhaltiger.

H&R: Wir haben ja schon darüber gesprochen, wie die Auswirkungen eines fehlenden Welthandels für Big Dutchman wären. Was würde das denn für die Kunden und Mitarbeiter bedeuten?

UM: Ja, wir haben etwa 3400 Mitarbeiter weltweit. Wenn 95 Prozent des Umsatzes wegfielen, dann würden wahrscheinlich etwas über 3000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Davon ist ein Großteil in Deutschland tätig.

H&R: Das wäre dann für die Mitarbeiter und die Firma fatal.

UM: Ja! Und man muss sich mal vorstellen, dass das ja nicht nur der Mitarbeiter allein ist. Da steckt ja oft eine ganze Familie dahinter. Wenn das Gehalt von einem Vater oder einer Mutter wegfällt, gerät die Familie vermutlich finanziell in Schwierigkeiten. Und schlimmstenfalls ist nicht nur ein Kind betroffen, sondern mehrere.

H&R: Und die Endverbraucher wäre auch davon betroffen, nehme ich jetzt mal an?

UM: Genau, man muss im Fall der Lebensmittelproduktion ja nur mal in den Supermarkt gehen und schauen, woher das alles kommt. Dann kann man sich relativ schnell vorstellen, dass gar nicht mehr so viele Sachen verfügbar wären.

H&R: Dann wäre man wieder ins Mittelalter zurückversetzt, wo jeder sich selbst versorgen muss?

UM: Ja, gerade wenn man sich mal anschaut, was sonst noch so zum Alltag gehört. Das iPhone (Zum Artikel Handy — das Beispiel des iPhones) wird in Amerika entwickelt, in China produziert und hat Komponenten aus aller Welt.

H&R: Und nehmen wir jetzt mal an, irgendein Land erhöht seine Zölle drastisch, was ja in den USA gerade passiert. Was hätte das für Auswirkungen für Ihr Geschäft und für die Kunden?

UM: Bei unseren amerikanischen Kunden steigt die Unsicherheit aktuell stark. Ich versetze mich mal in die Lage eines amerikanischen Landwirts, der sich eine Anlage kaufen möchte. Dann weiß ich in dem Augenblick, in dem ich sie kaufe, nicht wie teuer sie wirklich wird, weil die Zölle sich gerade permanent ändern. Aber selbst wenn sie sich nicht ändern, dann ist die Anlage ungefähr 20 Prozent teurer. Denn Big Dutchman muss die Zölle auf das Produkt umlegen, sonst würden wir kein Geld mehr verdienen. Deswegen wird die Anlage für den amerikanischen Landwirt massiv teurer. Und am Ende wird dadurch dann das, was er produziert, zum Beispiel Eierprodukte, auch teurer.
Und genau das sehen wir gerade in Amerika, dass Produkte für Verbraucher teurer werden oder auch qualitativ schlechter, weil einige Anbieter gar nicht mehr in die USA exportieren. Das bedeutet dann für die Verbraucher, dass sie weniger Auswahl haben und nur noch zwischen den vorhandenen Produkte wählen können – und die sind dann vielleicht qualitativ nicht mehr so gut.

H&R: Gibt es denn schon Vorkehrungen, um die potenziellen Auswirkungen abzufedern? Zum Beispiel Zulieferer in den USA?

UM: Ja, natürlich werden Maßnahmen getroffen. Zum einen gestalten wir Verträge so, dass eventuelle Zölle nicht zu unseren Lasten gehen, sondern zu Lasten dessen, der die Ware importiert, also in diesem Fall des amerikanischen Landwirts. Und wir haben uns auch intensiv nach neuen Lieferanten umgeschaut, denn das ist auch ein bisschen die Philosophie von Big Dutchman, in verschiedenen Märkten zu produzieren. Aber dazu muss man sagen, dass amerikanische Hersteller bei einigen Produkten nicht besonders wettbewerbsfähig sind. Das bedeutet also, selbst wenn ich einige Teile jetzt in Amerika produziere, dann sind sie immer noch viel teurer, als wenn ich sie in Europa produziere und nach Amerika bringe.

H&R: Wahrscheinlich gilt da auch wieder das Beispiel des asiatischen Stahls, der eine deutlich bessere Qualität hat, die von anderen Anbietern einfach nicht mehr getoppt werden kann?

UM: Genau, gestern waren wir bei einem Gewächshausbauer, das war ganz interessant: Die Gewächshäuser bestehen zum Großteil aus Aluminiumprofilen und die kann man in der notwendigen Qualität in den USA einfach nicht kaufen. Es gib einfach keine spezialisierten Hersteller für diesen Bereich. Das heißt, ich muss jetzt entweder auf ein sehr viel schlechteres Produkt umsteigen, das die Qualität des Gewächshauses, welches der Kunde bekommt, deutlich verschlechtert. Oder ich muss trotzdem das Produkt aus Europa nehmen und akzeptieren, dass das Gewächshaus eben sehr viel teurer wird – wieder mit dem Ergebnis, dass der Salat, den ich dann in diesem Gewächshaus anbaue, teurer wird, was am Ende der amerikanische Endverbraucher zu spüren bekommt.

H&R: Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass es für die Erwerbstätigen bei Big Dutchman fatal wäre, wenn der Welthandel nicht mehr existieren würde. Welche Folgen hätten denn dann höhere Zölle?

UM: Auch die können Auswirkungen haben. Betrachten wir noch mal das Beispiel Amerika. Dort machen wir gerade ungefähr 10 bis 15 Prozent unseres weltweiten Umsatzes. Wenn die Zölle so erhöht würden, dass wir dorthin praktisch nichts mehr verkaufen könnten und wir unseren gesamten Umsatz in den USA verlieren würden, dann müssten wir auch da wieder ungefähr 10 bis 15 Prozent der Mitarbeiter entlassen, da wir für sie keine Arbeit mehr hätten. Das wären zum größten Teil Leute in Amerika, aber es wären auch Leute bei uns hier in Deutschland in der Zentrale.

H&R: Sie hatten ja schon gesagt, dass die Qualität einiger amerikanischer Produkte nicht so gute ist, dass man sie dort kaufen würde. Worin sind denn die Amerikaner gut, was könnten sie denn gut herstellen?

UM: Also wir suchen ja immer nach Möglichkeiten effizienter zu produzieren, egal ob es Zölle gibt oder nicht. Wir haben deshalb gegenüber anderen Firmen schon den Vorteil, dass wir ungefähr 50 bis 60 Prozent der Komponenten, die wir in Amerika verkaufen, bereits dort produzieren. Das war schon vor den Zöllen so und das machen auch viele Firmen in vielen Regionen der Welt. Aber diese letzten 40 bis 50 Prozent kann man eben nicht in gut Amerika produzieren – und daraus entstehen die eben genannten Nachteile.

H&R: Sie sind als CDO für Innovationen zuständig. Gehört dann auch die Lösungsfindung für solche Probleme zu Ihrer Aufgabe?

UM: Ich hoffe, dass jeder Mitarbeiter seine Ideen zur Lösung solcher Probleme beiträgt. Man braucht wirklich viele schlaue Köpfe, um die Herausforderungen im Bereich Zölle und Welthandel zu bewältigen. Ich versuche natürlich auch, meinen Teil dazu beizutragen. Aber zu meinen Aufgaben gehört eher die Produktentwicklung. Ich kümmere mich um digitale Produkte und Ideen für komplexe Innovationen, die wir benötige, um auf dem Markt zu bestehen.

H&R: Wie sieht das denn mit der Software (zum Artikel Digitale Dienstleistungen und Software) aus, die Sie im Unternehmen nutzen und in den Produkten? Kommt die auch aus den USA?

UM: Ja, da sieht man eben, wie vernetzt die Welt heute ist: Wir unterhalten uns gerade über WebEx auf einem Dell-Rechner bzw. Apple-Laptop. Also könnte dieses Gespräch gar nicht stattfinden, wenn wir Handelsbeschränkungen oder Zölle für Software hätten. Und gerade bei Software ist das noch viel eminenter als bei Hardware. Es würde eigentlich gar nichts mehr funktionieren, was wir heute jeden Tag benutzen. Die meiste Software, die wir im Alltag schätzen und lieben kommt aus dem Ausland: TikTok ist chinesisch, Instagram und Facebook sind amerikanisch.
Man kann natürlich für alles eine neue Lösung finden. Aber wir waren es eben in den letzten Jahrzehnten gewohnt, Lösungen zu finden, die potenziell acht Milliarden Menschen nutzen können. Wenn wir uns nur auf Deutschland beschränken, dann sind wir wieder bei 80 Millionen. Und dann können unsere Produkte nicht so gut werden, weil wir gar nicht die Skalierungseffekte haben. Zum Beispiel die Software, die wir für unsere Hühnerställe benutzen: Wir könnten uns gar nicht leisten, die zu programmieren. Denn das Teure an der Software ist immer die Entwicklung. Und wenn man für so viel Geld eine Software entwickelt, dann ist man darauf angewiesen, dass man sie auch an einen möglichst großen Adressatenkreis verkaufen kann.

H&R: Sie sind ja auch Endverbraucher. Merken Sie, gewissermaßen als Experte, auch im Supermarkt, das Zölle auf irgendein Produkt erhoben werden?

UM: Es ist auf den ersten Blick auch für Experten schwer festzustellen, ob es an Zöllen liegt, wenn ein Preis steigt. Außerdem sind wir in Europa noch relativ unbeschadet von Zöllen. Wenn überhaupt ist das mal ein moderater Zoll auf ein Produkt, aber nicht so häufig.

H&R: Sie waren ursprünglich mal Verkäufer bei Big Dutchman. Als Sie aktiv verkauft haben, gab es da schon große Zollkonflikte, die Auswirkungen auf das Geschäft hatten?

UM: Es gibt da ein schönes Beispiel aus unserer Nähe. Ich war immer für Großbritannien zuständig und das Land war ja lange in der EU. Deswegen war es einfach, mit Großbritannien Handel zu treiben. Ich hatte damals viele Kunden dort, die haben gesagt: „Ja, wir wollen den Brexit. Wir wollen aus der EU raus, das ist ja auch alles schlecht.“ Die haben alle nicht großartig über die Konsequenzen nachgedacht und dann haben sie gemerkt: „Oh, das ist ja jetzt alles viel schwieriger. Ich habe keinen freien Personenverkehr mehr und das ist noch nicht mal das schlimmste. Die ganzen Formulare, die ich ausfüllen muss, und die Auflagen, die ich erfüllen muss, wenn ich importieren oder exportieren will, sind die Hölle.“ Und dazu kommen auch noch die ganzen Zölle. Wenn wir eine ganze Anlage nach Großbritannien verkaufen, ist das noch nicht mal so teuer. Aber wenn wir ein einzelnes Ersatzteil verkaufen, wird das dann schnell sehr kostspielig.

Für mich ist jeder Zoll ein schlechter Zoll.

Ulf Meyer im Interview

H&R: Es gibt ja viele Länder, in die Sie verkaufen. Aber in welchen Ländern hätten Sie denn besondere Probleme, wenn dort die Zölle erhöht würden?

UM: Wir produzieren zum Beispiel einen Großteil dessen, was wir in Ostafrika verkaufen, in Asien. Sonst wird viel in den einzelnen Regionen und in Europa produziert. Ich denke, wenn Asien Zölle erheben würde, würde uns das sehr, sehr hart treffen.

H&R: Das kann ich mir vorstellen. Asien ist ja auch ein großer Kontinent mit vielen Menschen, wo es auch viel Tierhaltung gibt, da ja irgend woher das Essen kommen muss. Entsprechend gibt es dort wahrscheinlich auch viel Gewinn zu erzielen?

UM: Genau.

H&R: Wie hoch sind denn die Zölle, wenn etwas zum Beispiel nach Amerika exportiert wird?

UM: Vielleicht dann kam das am besten an dem Beispiel von eben erklären. Ich hatte ja erzählt, dass ich gestern bei einer Firma war, die Gewächshäuser verkauft, vor allem nach Amerika. Wenn man ein ganzes Gewächshaus verkauft, sind die Zölle relativ moderat. Das sind dann rund 10 Prozent. Aber das gilt nur, wenn man es als Ganzes verkauft. Wenn man den Stahl einzeln importiert, dann kann der Zoll bis zu 50 Prozent oder sogar 75 Prozent betragen. Da ist man immer ein bisschen den Bewertungen der verschiedenen Zollstellen ausgeliefert. Das macht die ganze Sache umso komplexer, sodass ich nicht immer ganz klar sagen kann, wie der Zollsatz für etwas wirklich ist. Und das macht es für den, der das Produkt importieren will, extrem schwer, zu kalkulieren.

H&R: Dafür braucht man ja dann sicher auch wieder Mitarbeiter, wenn auf einmal solche Zölle auftauchen, damit man die ganzen Papiere und Berechnungen bearbeiten kann?

UM: Sicher. In Europa können wir einfach so etwas verkaufen. Wir packen die Sachen auf einen Lkw, legen eine Rechnung dazu und die Ware kann verschickt werden. Das ist ohne großen Aufwand möglich. Wenn wir an ein Drittland, also ein Land außerhalb der EU, verkaufen, müssen ganz umfangreiche Zoll-Dokumente ausgefüllt und gewisse Regeln eingehalten werden. Diese Faktoren machen es deutlich komplizierter. Auch wenn ein Kunde mal ein Problem hat, etwas reklamiert, zurückschicken und reparieren lassen möchte, ist es sehr viel komplizierter, als wenn wir das in Europa im Binnenmarkt machen. Und wenn wir jetzt beim Beispiel des Gewächshauses bleiben …

H&R: Da haben wir dann ja schon Stahl, der aus Asien kommt. Was haben wir denn noch für Komponenten, die man importieren muss, die vielleicht qualitativ besonders sind?

UM: Beim Export von Gewächshäusern kommt der Stahl meist aus Europa. Dazu kommen noch die Aluminiumprofile für die Dachkonstruktion und natürlich Glas. Das Glas kann man ohne Probleme in Amerika kaufen, also vor Ort. Aber hinzu, das unterschätzt man immer, kommt noch die Heiztechnologie. Denn man baut ein Gewächshaus ja, damit die Pflanzen darin optimale Wachstumsbedingungen haben. Ich muss also, je nach Klimazone, heizen oder kühlen. Diese Technik kommt üblicherweise aus Europa.

H&R: Dann fällt also beim Export eines Gewächshauses nach Amerika ein deutlicher Zoll an, weil man das meiste nicht dort produzieren kann?

UM: Genau, es gab auch Wettbewerber von uns, die vor allem in Amerika tätig waren und deren Geschäftsmodell jetzt praktisch zum Erliegen gekommen ist. Da sind also aus Firmen mit sehr, sehr gutem Umsatz innerhalb kürzester Zeit Firmen mit fast keinem Umsatz mehr geworden. Die mussten dementsprechend auch Mitarbeiter entlassen mit allen Folgen.

H&R: Und durch international ausgerichtete Geschäftsmodell ist das Risiko von Big Dutchman also deutlich geringer?

UM: Ja, da wir Lieferanten und Kunden auf der ganzen Welt haben, ist das Risiko bei uns stark gestreut.

H&R: Dann wünschen wir viel Glück für Big Dutchman, dass es so gut weitergeht und sagen vielen Dank für das ausführliche Interview!

UM: Sehr gerne.

Andere Beiträge (teilweise verlinkt) verwenden dieses Interview als Quelle und geben weiterführende Informationen zu wichtigen Themen. (hlo, rko)