Viele von uns kennen das Gesellschaftsspiel „Siedler von Catan“. Die erste Version, die damals noch schlicht „Siedler“ hieß, wurde 1995 von Klaus Teuber erdacht. In diesem Spiel, das mittlerweile viele Erweiterungen und Ableger hat, geht es um das Besiedeln einer unbekannten Insel namens Catan. Um die Wette werden Erträge erwürfelt, Straßen und Städte gebaut und Rittertuniere ausgetragen. „Catan“ enthält eine gesunde Mischung aus Glück und Strategie — Wer wohl als erstes die längste Handelsstraße oder die besten Erweiterungen zum Schutze seiner Stadt hat?



Die Zahlen auf jeder der fünf verschiedenen Landschaften (unten im Bild), Gebirge (Ertrag: Erz), Weideland (Wolle), Felder (Korn), Hügel (Ziegel) und Wälder (Holz), stehen für eine Würfelzahl. Desto größer die Zahl gedruckt ist, desto häufiger kommt sie vor, dabei ist zu beachten, dass die roten Zahlen sechs und acht am häufigsten sind. Später habe ich die Zahlen entfernt, damit man alles besser erkennen kann.

Im Bild sehen Sie einen Spielaufbau den ich zum Zweck der Erklärung hier aufgebaut habe.
Hier unser Szenario: Fritz (der rote Spieler), Hanna (gelb) und Michael (blau) spielen eine Partie „Catan“. Wie im Bild zu sehen, haben sie schon alles aufgebaut und sind schon voll im Spiel.
Aber nicht nur bauen, Erträge sammeln oder die Räuber abwehren sind in diesem Spiel wichtig. Es gibt noch einen weiteren interessanten Faktor: den Handel. Um zu verstehen warum man handeln muss, gucken wir uns den obigen Spielaufbau einmal genauer an.

Fritz hat ein Problem. Erz und Ziegel hat er genug, aber um seine Erträge durch einen Stadtbau zu verdoppeln bräuchte er nicht nur Erz, sondern auch Getreide. Theoretisch könnte er sein Erz einfach 2 zu 1 in seinem Hafen tauschen, aber das ist sehr teuer und er braucht das Erz zum bauen.

Michael würde seinem Freund Fritz ja wirklich gerne helfen und ihm Getreide abgeben, aber davon hat er nunmal nicht so viel und außerdem interessiert ihn Fritz Ritter, sein Erz oder Lehm nicht so wirklich als Tauschobjekt, was soll er denn damit?

Hanna hat mehr als genug Getreide um Fritz zu helfen. Sie wird es auch nicht wirklich los, denn ihr Erz reicht nicht um mit dem Getreide eine Stadt zu bauen, außerdem hat sie ja schon eine, aber sie kann auch nichts Anderes damit bauen.
Aber soll sie wirklich Getreide gegen Ziegel oder Erz mit Fritz tauschen? Er würde ja doch gewinnen, wenn sie ihm Rohstoffe für die Stadt abgibt. Also gar nicht tauschen oder mehr verlangen?

Doch dann fällt Hanna etwas ein was sie wirkich dringend gebrauchen kann! Beim letzten Raubüberfall hätte sie fast ihre ganzen Rohstoffe verloren (ab sieben Rohstoffe müssen alle abgegeben werden bis man nur noch fünf hat). Und jetzt sind es noch viel mehr! Fritz hat ja sowieso zwei Ritter, vielleicht kann er ja einen gegen ihre Rohstoffe tauschen.
Natürlich könnte sie mit ihren Rohstoffen auch versuchen einen Ritter zu ziehen (siehe Entwicklung auf der Baukarte), aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen kriegt ist sehr niedrig. Also tauscht sie zwei Getreide für Fritz Stadt gegen einen Ritter von ihm.
Was hat das jetzt gebracht?

Hanna ist beim nächsten Überfall geschützt und Fritz kann seine Stadt bauen und hat sogar noch mehr Rohstoffe, die er mit den anderen tauschen kann.
Und was hat das jetzt mit dem Welthandel zu tun?!
Erstmal muss gesagt werden, dass „Catan“ nur ein Modell ist, es fehlen viele Faktoren, um den internationalen Handel richtig zu beschreiben.
Aber in dem Spiel muss Handel getrieben werden, um Vorteile erzielen zu können. Auch im richtigen Welthandel hat man alleine kaum eine Chance. So wie Hanna sich mit Fritz verbündet hat, um gegen die Räuber zu bestehen und Fritz brauchte Hannas Hilfe, um eine Stadt zu bauen, so müssen sich, vielleicht sogar konkurrierende, Staaten zusammentun, um besser zu handeln. Ein aktuelles Beispiel ist der EU-Mercosur Deal (dazu mehr hier). (rko)